Samstag, 14. Januar 2012
Der Mietwagen, in erbsengrün!, quiekt. Und das in einer Lautstärke! Wir sind uns uneinig, ob das nun von den Bremsen oder von was ganz anderem kommt. Dem Vermieter versuche ich es auf alle erdenklichen Weisen zu erklären. Nur ist er des Englischen kaum mächtig. Ich des Spanischen ebensowenig. Schlussendlich sage ich dann, in meinem verzweifelten Versuch adäquate Umschreibungen zu finden, das Auto mache Geräusche wie eine Maus. Das versteht er dann. Und findet es lustig. Was dazu sagen, kann er indes auch nicht. Ist halt so. Dann hätten wir eben ein Mäuse-Auto, meint er und kann nicht aufhören zu lachen. Mujeres!
Und auf einmal sassen wir im Flugzeug. Hatten bis zuletzt nicht geglaubt, dass tatsächlich nichts dazwischen kommen würde, uns keine dringlichen Erledigungen in letzter Sekunde davon abhielten. Die Mutter überaus glücklich, endlich wieder mit mir in den Urlaub zu können; ich zwiespältig. Die Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Zumindest bis jetzt. Man will ja nicht zu kritisch sein.

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Im Vorfeld über das Hotel lesend, hatte ich befürchtet, es würde dem ähneln, was ansonsten eher beim Geocashing angetroffen wird - auch diese Befürchtung erwies sich als unbegründet. An manchen Orten mussten freilich beide Augen geschlossen werden und bei den Betten half nicht mal das: auch Holzbretter fühlen sich weicher an. Aber ansonsten. Ganz nett. Und erst die Tauben! Die Hotelkatze! Ich schmiedete Pläne, wie ich beide im Handgepäck entführen könnte. Aber damit wäre das wohl so eine Sache gewesen.

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Die Hotelgäste. Eine Spezies für sich. Schlagen sich erst die Teller übervoll, um dann die Hälfte stehen zu lassen und sich Nachschlag von was anderem zu holen. Degoutant. Die Bedienung macht auch – hinter dem Rücken der Gäste, selbstredend – eine angewiderte Miene und bedient uns, die immer schön brav alles aufessen – scheinbar – bevorzugt. Zumindest anfangs. Als ich dann plötzlich, ich weiss nicht wie, einen Teebeutel zerreisse und dessen Inhalt über den ganzen Tisch schütte, werden wir mit Ignoranz gestraft.
Sonntag, 1. Januar 2012
Wie ich Zeugin eines Mordes wurde und Silvester verschlief
Gestern wollte ich noch eine Menge erledigen. Zum Beispiel im Haushalt noch was in Ordnung bringen, meine Bücherberge sortieren, mir was Schönes zum Anziehen aussuchen, Ihnen allen einen guten Rutsch wünschen und ausgehen. Wie ich so vor dem Kleiderschrank stand und endlich das Outfit beisammen hatte, wurde ich von meiner mich mittlerweile ständig begleitenden Erschöpfung regelrecht erschlagen. Den Jahresabschluss verbrachte ich daraufhin auch ganz im Geiste von 2011: schlafend. Ich wollte mich nur mal kurz hinlegen, bevor ich mich mit Freunden treffen würde und weg war ich. Irgendwann gegen Morgen wurde ich vom Bimmeln meines Mobiltelefons geweckt. Wo ich denn sei, wollten die Freunde wissen und warum ich nicht rangehe. Ich schlafe, meinte ich, was mit einem typisch quittiert wurde. Da sie aber eh schon alle auf dem Heimweg waren, drehte ich mich auf die andere Seite und wurde Zeugin eines Mordes. Sowohl die Gendarmerie als auch der tatsächliche Täter waren hinter mir her. Wie ich mich so auf der Flucht befand, bestand meine einzige Sorge darin, in Papeterien alte Bleistifte aus Sowjetproduktion einzukaufen,  sorgsam, wie kleine Bäumchen, einzupflanzen und zu wässern. Das war ziemlich anstrengend, da die Stiftvorräte in den Papeterien langsam zur Neige gingen und ich immer geschickter vorgehen musste, um überhaupt noch die einzig wahren Sowjetstifte zu ergattern - und nicht etwa billige Nachahmungen, die man mir unterjubeln wollte. Zudem waren meine Verfolger keineswegs blöd und merkten schnell, dass ihnen die Stiftbäumchen den direktesten Weg zu mir weisen würden. Ob mich die Gendarmen oder der Täter als erste einholten, kann ich Ihnen indes auch nich sagen, einen Augenblick bevor es nämlich so weit war, wachte ich endgültig dauf. 
Dienstag, 27. Dezember 2011
Dr. Jekyll and Mr. Hyde
Gestern doch noch mit der Mutter zum Herrn Vater gefahren. Geschlagene zwei Stunden hat er mich kaum beachtet. Nur ein Mal, als ich meinen schmerzenden Fuss hochlagern wollte und er sich beinahe drauf setztem mit der Begründung: "nur ein Stuhl pro Person". Als ob es zu wenige davon gäbe. "Was ist eigentlich mit deinem Fuss?", fragt er "Morbus-Köhler." "Und was bedeutet das?" "Ich soll möglichst nicht herumlaufen und auf den unwahrscheinlichen Fall einer Spontanheilung hoffen. Falls diese nicht eintritt, wird eben operiert." Und dann fängt er an, mich herumzuschicken, ich solle noch dies und jenes holen, dann würde ich schon sehen, wie hypochondrisch ich veranlagt sei. Später verlasse ich unbemerkt die Wohnung.

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Heute plötzlich ein Anruf. Er hätte da was für mich, das er mir noch unbedingt als Geschenk von S überreichen müsse. Er holt mich mit dem Auto ab, fährt mich danach auch wieder nach Hause. Wie ausgewechselt ist er. Er erkundigt sich nach dem Fuss, bietet an, mich auch mal herumzufahren, wenn ich Erledigungen habe. Über den gestrigen Tag sagt er kein Wort. Auch nicht über mein Verschwinden.


Diese Verwandlungen bei ihm bin ich mir schon seit immer gewohnt. An einem Tag so, am nächsten so. Manchmal wechselt es auch innerhalb von Minuten. Beängstigend daran finde ich, dass diese Verhaltensänderungen in keinster Weise vorhersagbar sind. Selbst, wenn er etwas ganz dringend braucht, dann kann die "böse" Seite zu Vorschein kommen – auch wenn er weiss, dass er es so bestimmt nicht bekommt. Umgehen müsste ich damit lernen.